Werkstattkino e.V., München

Kino-Informationen

Werkstattkino e.V. Fraunhoferstraße 9, 80469 München
Tel. 0 89 / 2 60 72 50

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Leinwände
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Werkstattkino e.V., München – Kritik

Werkstattkino I

Orte, an denen eine alternative Filmgeschichte erzählt wird, sind rar. Dass sich einer von ihnen ausgerechnet in einer Stadt befindet, in der es jede Form alternativer Kultur schon aus Prinzip schwer hat, ist ein wunderbarer Widerspruch. Im Münchner Werkstattkino werden verlorene Schätze geborgen, die es weder in die großen Filmpaläste noch in die gediegenen Programmkinos schaffen. Hier, und das lässt sich nur über wenige Kinos sagen, kann man noch Filme entdecken, die neue Perspektiven erlauben, ungeahnte Experimente wagen und das eigene Wertesystem erschüttern. Schon der Besuch fühlt sich wie eine Reise in eine verbotene Parallelwelt an. Vorbei am besten Wirtshaus der Stadt geht es in einen unscheinbaren Hinterhof und anschließend, entlang an Wänden in aggressivem Rot, in einen Keller. Wer sich schließlich durch die dunkle, schwere Stahltür begibt, dem eröffnet sich eine mit nur 50 Sitzplätzen bestückte Höhle des subversiven Films.

Eröffnet wurde das Werkstattkino im Jahr 1976 von einer Gruppe Gleichgesinnter in der ehemaligen Kegelbahn der Gaststätte Fraunhofer. Seitdem wurde es mit wechselnder Belegschaft nach demselben demokratischen Prinzip geführt. Jeder der Beteiligten hat Mitspracherecht bei der Filmauswahl, was zu einem sehr vielfältigen Programm führt, das noch durch diverse Fremdveranstaltungen ergänzt wird. Dabei ist jeden Abend meist nur ein Mitglied des Teams anwesend, das als Kartenverkäufer, Vorführer und Putzkraft in Personalunion auftritt.

Werkstattkino 3

Auch ansonsten beschränkt man sich hier auf einen einnehmenden Do-it-yourself-Charme. Das Programm gibt es auf schwarzweiß bedruckten Zetteln, im Kino selbst sind lediglich eine spartanische, aber gute Auswahl an Getränken sowie einige Filmzeitschriften erhältlich. Dass es etwa den katholischen Film-Dienst dort lange Zeit nicht zu kaufen gab, ist durchaus als Statement zu verstehen. Hier ist man noch mit Leib und Seele dagegen. Zum Beispiel gegen elitäres Kunstgetue, gegen eine Orientierung an aktuellen Kinostarts und gerne auch mal gegen den guten Geschmack. Legendär sind etwa die Vorführungen von The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986) und Nekromantik 2 (1991), die das Kino damals in Konflikt mit der Justiz brachten.

Zwar werden hier auch immer wieder Filme gezeigt, die es auch anderswo zu sehen gibt, die Besonderheit des Werkstattkinos sind jedoch jene schmutzigen Perlen, die anderen zu klein, zu ordinär, zu brutal oder ideologisch zu fragwürdig sind. In kleinen Reihen widmet man sich Subgenres, an der sich keine Kinemathek die Finger schmutzig machen würde. Das Spektrum reicht von Frauengefängnis- und Söldnerfilmen über Nudisten- und Surferfilme bis zu Wikingerepen und nordkoreanischen Propagandastreifen. Im Idealfall ist man nach einem Besuch des Werkstattkinos angenehm verstört, wenn man wieder zurück in die durchgentrifizierte Realität des Glockenbachviertels stolpert.

In einem Kino, das keinen Gewinn macht und kaum Förderung bekommt, muss man als Besucher natürlich auch Einbußen hinnehmen. Die technische Ausstattung ist sicher nicht die beste, und teilweise werden auch DVDs, arg mitgenommene Filmkopien oder absurde deutsche Synchronfassungen, die jedoch schon wieder ein Kunstwerk für sich sind, gezeigt. Den Luxus der bestmöglichen Kopie gibt es hier nicht. Man nimmt, was verfügbar ist, und zeigt es, so lange es noch geht. Gerne auch aus der eigenen Sammlung.

Werkstattkino II

Weit über 1000 Filme hat das Werkstattkino über die Jahrzehnte aus aufgelösten Beständen zusammengetragen. Neben den Verleihrechten für das Gesamtwerk von Jörg Buttgereit finden sich in diesem Archiv des Abseitigen unter anderem auch das wuchtige finnische Liebesdrama The Earth is a Sinful Song (1973), Doris Wishmans Exploitation-Doku Let Me Die A Woman (1978) oder der abstoßende Christen-Slasher Die Teuflischen von Mykonos (Ta Pedhia tou dhiavolou, 1975). Anstatt bildungsbürgerlichen Vorstellungen von wahrer Filmkunst zu folgen, konzentriert man sich im Werkstattkino lieber auf das Unerforschte. Jene Werke, wo Trash draufsteht, tatsächlich aber auch Kunst drin sein kann.

Kinoprogramm Werkstattkino e.V., München

Call Me Queen (2)

Deutschland, Großbritannien, Frankreich 2026
Regie
Emily Atef
Mit
Dominic West, Denise Gough
Trailer:
HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
20:15

Kinokränzchen (2)

HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
14:30

Kurzfilmprogramm (2)

21
HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
20:15

Memories of My Body (2)

Indonesien 2018
Regie
Garin Nugroho
Trailer:
HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
17:45

Until We Talk (4)

Schweiz 2025
Regie
Florian Mebes
Trailer:
HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
20:15

Wohin mit mir? (2)

Deutschland 2025
Regie
Marvin Menné
Trailer:
HeuteMo, 19.10.Di, 20.10.Mi, 21.10.Do, 22.10.Fr, 23.10.Sa, 24.10.
18:1518:15

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